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Steinadler
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Der Steinadler (Aquila chrysaetos) ist eine große Greifvogelart innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Steinadler besiedeln offene und halboffene Landschaften in der gesamten Holarktis. Sie ernĂ€hren sich meist von mittelgroßen, bodenbewohnenden SĂ€ugern. Die Art war frĂŒher in Europa weit verbreitet, wurde aber systematisch verfolgt, so dass sie heute in vielen Teilen Europas nur noch in Gebirgsgegenden vorkommt. In Deutschland brĂŒten Steinadler nur noch in den Alpen.

Contents

‱ Systematik
‱ Jagdweise
‱ Nahrung
‱ Alter
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Beschreibung

Steinadler zĂ€hlen zu den grĂ¶ĂŸten Vertretern der Gattung Aquila. Die Geschlechter des Steinadlers unterscheiden sich deutlich in GrĂ¶ĂŸe und Gewicht. Das Weibchen kann eine KörperlĂ€nge von 90–100 cm erreichen; das MĂ€nnchen ist im Mittel rund 10 cm kleiner. Die FlĂŒgelspannweite variiert zwischen 190 und 210 cm beim MĂ€nnchen und zwischen 200 und 230 cm beim Weibchen. Weibchen wiegen 3,8 bis 6,7 kg, die leichteren MĂ€nnchen 2,8 bis 4,6 kg. Steinadler haben 11 Handschwingen, die Ă€ußerste (11.) Handschwinge ist jedoch sehr klein. Die sechste Handschwinge ist mit knapp 60 cm die lĂ€ngste. Die 17 Armschwingen sind zwischen 35 und 40 cm lang. Der Schwanz wird aus 12 Steuerfedern gebildet, die 34 bis 42 cm lang sind.

Grundfarbe des Gefieders ist ein einheitliches dunkles Braun. Der Nacken ist goldgelb. Der Schwanz der adulten Tiere ist braun und mehr oder weniger deutlich mit einigen helleren BÀndern durchsetzt. Der Schnabel ist dunkelgrau, die Iris der Augen dunkelbraun. Wie bei allen Arten der Unterfamilie Aquilinae sind die Beine bis zu den sehr krÀftigen gelben Zehen befiedert.

Steinadler im ersten Lebensjahr sind insgesamt dunkler braun und haben auffallende, weiße Federpartien auf den inneren Handschwingen und den Ă€ußeren Armschwingen. Der Schwanz ist weiß und zeigt eine scharf abgesetzte, breite schwarze Endbinde. Steinadler sind erst ab dem 5. bis 7. Lebensjahr voll ausgefĂ€rbt.

Auf Grund der unterschiedlichen FĂ€rbung war bis ca. 1900 auch die Bezeichnung Goldadler (altgriechisch χρυσός chrysĂłs, deutsch ‚Gold‘ und altgriechisch ጀΔτός aĂ«tĂłs, deutsch ‚Adler‘) fĂŒr ausgewachsene Steinadler gebrĂ€uchlich. Jungtiere wurden fĂŒr eine andere Art gehalten.

Im Flug wirkt der Steinadler trotz seiner GrĂ¶ĂŸe meist sehr leicht und elegant.cite-ref-1[1] Auffallend ist neben der fĂŒr Adler typischen starken Fingerung der Handschwingen der relativ lange, nur leicht gerundete Schwanz. Im Gegensatz zu allen anderen Vertretern der Gattung hebt der Steinadler seine FlĂŒgel im Segelflug leicht an, so dass ein leicht V-förmiges Flugbild zustande kommt.cite-ref-2[2]

Verbreitung und Lebensraum

Der Steinadler besiedelt die borealen, die gemĂ€ĂŸigten sowie die mediterranen Zonen der gesamten Holarktis. Er ist damit der am weitesten verbreitete Vertreter der Gattung Aquila. In der PalĂ€arktis erstreckt sich die Verbreitung im Westen von Irlandcite-ref-3[3] ĂŒber Schottland in einem breiten Streifen durch Europa und Asien bis Kamtschatka und Japan. Außerdem ist der Norden und Westen Nordamerikas von der Art besiedelt. Durch jahrhundertelange massive Verfolgung ist die Verbreitung in Europa heute stark zersplittert. In Mitteleuropa sind die Vorkommen des Steinadlers im Wesentlichen auf den Alpenbogen und die Karpaten beschrĂ€nkt, in Deutschland lebt er nur in den Bayerischen Alpen. Abseits der Alpen liegen die Vorkommen in DĂ€nemark und im Osten Polens Deutschland am nĂ€chsten.

Steinadler besiedeln offene und halboffene Landschaften aller Art, die ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten und FelswĂ€nde oder Ă€ltere BaumbestĂ€nde fĂŒr die Nestanlage aufweisen. Sein Lebensraum reicht von alpinen Matten ĂŒber große Moore mit kleinen WĂ€ldern im Baltikum bis zu HalbwĂŒsten im Norden Afrikas. Große, geschlossene WĂ€lder werden nur randlich besiedelt. Die heutige starke Konzentration auf gebirgige Landschaften ist zumindest in Europa eine Folge der intensiven Verfolgung.

Systematik

Der Artstatus des Steinadlers ist unumstritten, nach neueren molekulargenetischen Untersuchungen ist der nĂ€chste Verwandte der afrikanische Klippenadler. Je nach Autor werden fĂŒnf bis sechs Unterarten anerkannt, die Abgrenzung erfolgt anhand geringer GrĂ¶ĂŸen- und FĂ€rbungsunterschiede und die ÜbergĂ€nge sind fließend:

‱ A. c. chrysaetos (Linnaeus, 1758): Europa ohne Iberische Halbinsel, Westsibirien.

‱ A. c. homeyeri Severtsov, 1888: Etwas kleiner und dunkler als Nominatform. SĂŒdlich an Nominatform anschließend; Iberische Halbinsel, Nordafrika, Kleinasien, Kaukasus, Arabische Halbinsel, von dort bis in den Iran.
‱ A. c. daphanea Severtsov, 1888: Noch dunkler als A. c. homeyeri, grĂ¶ĂŸte Unterart; vom Osten des Iran ĂŒber Afghanistan, Pakistan, den Norden Indiens und Nepal bis West- und Zentralchina und die Mongolei.
‱ A. c. kamtschatica Severtsov, 1888: Dunkelste Unterart, Nackenfleck eher rotbraun; Mittelsibirien bis Kamtschatka. Manche Autoren erkennen diese Unterart nicht an, sondern vereinigen sie mit A. c. canadensis.
‱ A. c. japonica Severtsov, 1888: Ebenso dunkel wie A. c. kamtschatica, aber wesentlich kleiner, kleinste Unterart; Japan und Korea.
‱ A. c. canadensis (Linnaeus, 1758): FĂ€rbung wie A. c. kamtschatica, aber etwas kleiner; Nordamerika.

Jagdweise

Steinadler jagen meist in offenen oder halboffenen Landschaften im bodennahen Flug unter optimaler Ausnutzung jeglicher Deckung. Sie gleiten dabei dicht an HĂ€ngen entlang, ĂŒber Kuppen und kleine HĂŒgel und versuchen ihre Beute auf kurze Distanz zu ĂŒberraschen. HĂ€ufig jagen sie auch von einem Ansitz aus. Die Beute greifen die Adler meist auf dem Boden oder im bodennahen Luftraum und töten sie mit den außerordentlich krĂ€ftigen Zehen und Krallen. Sehr große Beutetiere wie Kitze des Steinbocks oder junge GĂ€msen greifen sie am Kopf. Der Steinadler schlĂ€gt dabei seine Krallen durch die SchĂ€deldecke in das Gehirn. In den wenigen beobachteten FĂ€llen wurden diese großen Beutetiere innerhalb von Sekunden getötet.

Weniger hĂ€ufig ist die Jagd im freien Luftraum; die Erbeutung von ziehenden Kormoranen ist jedoch zum Beispiel schon mehrfach beobachtet worden. In Anbetracht ihrer GrĂ¶ĂŸe bewegen sich Steinadler in der Luft außerordentlich wendig und schnell, so wurde mehrfach beobachtet, wie sich ein Steinadler im Flug auf den RĂŒcken drehte und so zum Beispiel einen verfolgenden Kolkraben erbeutete. Steinadler können keine Kadaver im Flug tragen, deren Gewicht das eigene Körpergewicht ĂŒbertrifft. Schwere Beutetiere zerteilen sie daher und deponieren portionsweise, oder sie fliegen den Kadaver ĂŒber mehrere Tage an.

Nahrung

Steinadler sind außerordentlich krĂ€ftig und sehr geschickt. Sie erbeuten regelmĂ€ĂŸig Tiere, die erheblich schwerer sind als sie selbst. Das maximale Beutegewicht liegt bei etwa 15 Kilogramm. Es gibt nur einen dokumentierten Fall, in dem ein noch schwererer Sikahirsch erlegt wurde.cite-ref-4[4] Angriffsversuche auf annĂ€hernd ausgewachsene GĂ€msen sind dokumentiert.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Die Verteidigungsstrategie der GĂ€msen besteht darin, hangabwĂ€rts zu springen und sich ĂŒberschlagend zu rollen, was eine erhebliche Verletzungsgefahr fĂŒr beide bedeutet.

Im Beutespektrum dominieren meist bodenbewohnende, kleine bis mittelgroße SĂ€ugetiere von Ziesel- bis Steinbockkitz-GrĂ¶ĂŸe, Vögel spielen meist nur eine kleinere Rolle. Meist bilden wenige SĂ€ugerarten den Hauptteil der Nahrung. Daneben erbeutet der Steinadler jedoch fast alle kleinen und mittelgroßen SĂ€uger und Vögel, die im jeweiligen Gebiet vorkommen. Insbesondere im SĂŒden des Verbreitungsgebietes frisst er auch regelmĂ€ĂŸig Reptilien, dort lassen Steinadler Ă€hnlich wie Bartgeier auch Landschildkröten auf Felsen fallen, um so deren harten Panzer zu zerbrechen. Insbesondere im Winter, regional aber auch im Sommer, spielt Aas eine wichtige Rolle in der ErnĂ€hrung.

Im Schweizer Kanton GraubĂŒnden dominierten zur Brutzeit im Beutespektrum Alpenmurmeltiere mit 60,2 % aller Beutetiere, an zweiter Stelle folgten junge GĂ€msen mit 8,0 %. Danach folgten Schneehase, Alpenschneehuhn und Birkhuhn mit jeweils 5,2 %.cite-ref-7[7] Im schweizerischen Alpenvorland bestand die Nestlings-Nahrung in 4 Revieren vor allem aus Feldhasen (36,2 % aller Beutetiere), danach folgten Hauskatzen (27,5 %), Rehkitze (14,1 %) und HaushĂŒhner (8,1 %).cite-ref-8[8] Populationen im Zentralmassiv Frankreichs jagen hauptsĂ€chlich Wildkaninchen. In Schottland wurden je nach Region Hasenartige in 10,7 % bis 46,9 % aller im Sommer gefundenen Gewölle nachgewiesen. Weitere wichtige Beutetiere waren dort Schafe und Ziegen (in 0,6 bis 26,8 % aller Gewölle), RaufußhĂŒhner (5,4 bis 47,8 %) und Rothirsche (als Aas) (1,2 bis 22,3 %).cite-ref-9[9]

Raumnutzung und Siedlungsdichte

Trotz des großen Verbreitungsgebietes liegen bisher nur wenige Daten zur GrĂ¶ĂŸe des Aktionsraumes, also zu der von einem Brutpaar genutzten FlĂ€che vor. Die festgestellten Werte schwanken je nach Lebensraum und Nahrungsangebot erheblich. Im Schweizer Kanton GraubĂŒnden betrug die GrĂ¶ĂŸe des Aktionsraumes nach Sichtbeobachtungen in 26 Revieren zwischen 29 und 88 kmÂČ, im Mittel 53 kmÂČ. In Idaho beflogen vier Steinadlerpaare ebenfalls nach Sichtbeobachtungen FlĂ€chen zwischen 11,6 und 49,0 kmÂČ, im Mittel 32,8 kmÂČ.cite-ref-10[10] Methodisch bedingt stellen die hier dargestellten Werte vermutlich eher die Untergrenze der tatsĂ€chlichen AktionsraumgrĂ¶ĂŸen dar. Steinadler verteidigen ihren gesamten Aktionsraum ganzjĂ€hrig vehement gegen Artgenossen, eine frĂŒher gelegentlich vorgenommene Trennung zwischen dem verteidigten Revier und der zur Nahrungssuche genutzten FlĂ€che ist also nicht gerechtfertigt.

Die großrĂ€umige Siedlungsdichte zeigt ebenfalls erhebliche Unterschiede, sie reicht von 1,9 Brutpaaren (BP)/1000 kmÂČ in der Umgebung des belarussischen Wizebsk bis zu 22,7 BP/1000 kmÂČ in Teilen Schottlands. Weltweit bewegen sich die Werte meist zwischen 5 und 20 BP/1000 kmÂČ. In den Alpen wurden recht einheitliche Werte zwischen 7,4 BP/1000 kmÂČ in den Niederen Tauern Österreichs und 14,3 BP/1000 kmÂČ in GraubĂŒnden festgestellt.cite-ref-11[11]

Fortpflanzung

Horst und Nistplatz

Der Steinadler nistet in FelswĂ€nden und auf hohen BĂ€umen. NistplĂ€tze an Felsen liegen meist in Höhlungen oder unter ÜberhĂ€ngen, Expositionen zur Hauptwindrichtung (in Mitteleuropa West- und SĂŒdwestseiten) werden deutlich gemieden. Ein (Felsen-)Horst wird flach und oval begonnen, Horste auf BĂ€umen sind runder und werden bereits anfangs höher gebaut. Felsnester in Schottland maßen im Mittel 1,33 m × 1,06 m und waren 0,79 m hoch, Baumhorste in Schweden hatten im Mittel einen Durchmesser von 1,4 m und waren 1,1 m hochcite-ref-12[12]. Je nach Dauer der Nutzung werden die Horste stĂ€ndig erweitert, ergĂ€nzt und repariert, so dass ĂŒber Jahre hinweg mĂ€chtige, nicht selten mehr als zwei Meter in Höhe und Breite messende Horste entstehen. Das Nest wird aus krĂ€ftigen Ästen und Zweigen angelegt und mit belaubten Zweigen und BĂŒscheln ausgepolstert. Diese Polsterung erfolgt wĂ€hrend der gesamten Brutsaison. Die von beiden Tieren erbauten Horste werden mehrjĂ€hrig benutzt, und meist hat ein Paar mehrere sogenannte Wechselhorste. Im Gebirge liegen die HorstplĂ€tze meist unterhalb der Jagdgebiete, da der Transport der Beute nach unten einfacher ist als nach oben.

Brut und Aufzucht der Jungen

Steinadler werden erst mit etwa sechs Jahren geschlechtsreif. Brutpaare fĂŒhren, soweit bekannt, eine monogame Dauerehe. Die Balz beginnt im Januar mit teils spektakulĂ€ren BalzflĂŒgen. Die Eiablage erfolgt mit höherem Breitengrad immer spĂ€ter, in Oman im Mittel Anfang Dezember, im Norden von Alaska und Sibirien Anfang Mai. In ganz Europa liegt der Legebeginn recht einheitlich zwischen Mitte MĂ€rz und Mitte April und verĂ€ndert sich von Norden nach SĂŒden nur unwesentlich. So erfolgten die frĂŒhesten Eiablagen in Finnland Anfang MĂ€rz, in der Schweiz Ende Februar.

Das Weibchen legt im Abstand von drei bis vier Tagen meistens zwei Eier, seltener nur eines oder drei. Die kurzspindelförmigen Eier sind glanzlos und meist schmutzigweiß mit brauner, braunvioletter oder hellgrauer Fleckung. Bei mehr als einem Ei sind die weiteren meist gar nicht mehr oder nur sehr spĂ€rlich gefleckt. Eier aus den Alpen maßen im Mittel 76,4 × 58,0 mm. Das Gelege wird ab dem ersten Ei ĂŒberwiegend vom Weibchen bebrĂŒtet, das Weibchen wird wĂ€hrend der Brut vom MĂ€nnchen mit Futter versorgt. Die Brutzeit dauert 43 bis 45 Tage.

Die frisch geschlĂŒpften Adler haben ein weißes Daunenkleid, das zweite Daunenkleid wird im Alter von 9 bis 15 Tagen angelegt, ist schmutzig weiß und besteht aus dichteren und gröberen Federn. Das Ă€lteste Junge tötet in den ersten Lebenswochen oft seine jĂŒngeren Geschwister. Dieser sogenannte Kainismus ist jedoch im Gegensatz zu anderen Vertretern der Gattung Aquila, wie etwa dem Schreiadler, nicht obligat, sondern tritt vor allem bei Nahrungsknappheit auf. Etwa sieben Wochen nach dem SchlĂŒpfen können die Jungvögel selbst Beute zerteilen. Bis dahin werden sie vom Weibchen mit vom MĂ€nnchen geschlagener und an den Horst gebrachter Beute gefĂŒttert. Im Alter von 74 bis 80 Tagen absolvieren die Jungvögel die ersten erfolgreichen KurzflĂŒge. Die Jungvögel verbringen die ersten 60 bis 70 Tage nach dem Ausfliegen in der unmittelbaren Nestumgebung; etwa 5 Monate nach dem Ausfliegen verlassen die Jungvögel das Revier der Eltern.

Alter

Angaben zur durchschnittlichen Lebenserwartung freilebender Steinadler liegen kaum vor, nach Beobachtungen in der Schweiz scheinen revierbesitzende Vögel aber regelmĂ€ĂŸig Lebensalter ĂŒber 20 Jahre zu erreichen. Die durch Vogelberingung nachgewiesenen Maximalwerte waren 26 Jahre (Schweiz) und 32 Jahre (Schweden). In Gefangenschaft soll eine Reihe von Steinadlern ĂŒber 40 Jahre alt geworden sein, viele dieser Daten gelten jedoch als fraglich. Der mit Stand 2016 Ă€lteste in Deutschland gehaltene Steinadler ist am 21. Mai 1984 geschlĂŒpft.cite-ref-13[13] Er lebt im Tierpark Sababurg in Nordhessen.

Bestandsentwicklung und GefÀhrdung

Schon frĂŒh sahen Menschen den Steinadler nicht mehr nur als „König der LĂŒfte“, sondern auch als Jagdkonkurrenten sowie als Feind der Nutztiere. Bereits im 17. Jahrhundert begann die systematische Verfolgung und Ausrottung des Steinadlers, parallel zu BraunbĂ€r, Wolf, Luchs, Bartgeier und anderen Beutegreifern. Die Adler wurden in Europa geschossen oder mit Fangeisen und Giftköder gefangen, die Horste wurden ausgenommen und zerstört. Der RĂŒckgang ist fĂŒr Deutschland recht gut dokumentiert. Bereits im 17. Jahrhundert waren die letzten Brutpaare aus dem ThĂŒringer Wald, dem Zittauer Gebirge und dem Erzgebirge verschwunden, um 1750 aus dem Harz und um 1800 aus der SchwĂ€bischen Alb. Letzte Bruten wurden fĂŒr 1816 aus dem Schwarzwald und der Eifel, ca. 1840 bei Celle, 1860 im FlĂ€ming, 1864 im Riesengebirge, 1865 in Mecklenburg, um 1870 in Ostpreußen, 1876 in Brandenburg und 1887 in Pommern verzeichnetcite-ref-14[14]. Danach gab es in Deutschland nur noch in den Bayerischen Alpen Steinadler.

Trotz der intensiven Verfolgung auch im gesamten Alpenraum ĂŒberlebte der Steinadler dort, da viele Horste hier unzugĂ€nglich und unerreichbar waren. Anfang der 1920er Jahre wurde die Jagd auf Steinadler hier eingeschrĂ€nkt, 1925 erhielt er in Bayern und Tirol ganzjĂ€hrige Schonzeit, in der Schweiz wurde die Bejagung erst 1953 vollstĂ€ndig untersagt. Intensive Nachstellungen fanden bis Mitte der 1960er Jahre statt, so wurden in Österreich zwischen 1959 und 1965 trotz Schutzprogrammen, gesetzlicher Schutzvorkehrungen und Bewachung mehr als 100 Exemplare geschossen. Auch wurden AbschĂŒsse genehmigt, obwohl der Bestand von damals ca. 50 Paaren als stark gefĂ€hrdet einzustufen war.

Etwa ab Mitte der 1970er Jahre setzte im gesamten Alpenraum eine deutliche und nachhaltige Bestandszunahme ein. So wurde der Bestand in Bayern Ende der 1960er-Jahre auf 15 bis 17 Brutpaare (BP) geschĂ€tzt, 1999 auf 45–50 Brutpaare. Im Schweizer Kanton GraubĂŒnden brĂŒteten auf einer FlĂ€che von 4585 kmÂČ in den Jahren 1965–1971 42 BP, Mitte der 1990er-Jahre 105 BP.cite-ref-15[15] In Österreich brĂŒteten 2004 300–350 BP, in der Schweiz 2003 320–340 BP. Der Gesamtbestand in den Alpen wird heute auf 1100–1200 BP geschĂ€tzt. Große BestĂ€nde beherbergen in Europa außerdem Spanien (ca. 1300 BP in den Jahren 1998–2002), Norwegen (860–1040 BP, 2003) und Finnland (300–350 BP, 2002).cite-ref-16[16]

In den Vereinigten Staaten unterliegt die Art seit 1952 dem Bald and Golden Eagle Protection Act, die Haltung von lebenden Tieren und der Besitz toter Adler und ihrer Körperteile ist stark reglementiert. Das National Eagle Repository stellt Genehmigungen aus und vergibt tot aufgefundene Tiere an die Nachfahren nordamerikanischer Indianer zu religiösen und kulturellen Zwecken.

Weltweit gesehen wird der Bestand des Steinadlers von der IUCN auf etwa 250.000 Tiere geschĂ€tzt und fĂŒr stabil gehalten. Daher wird die Art als „nicht gefĂ€hrdet“ eingestuft.

Situation in Bayern

In den Bayerischen Alpen wurden bis Anfang der 1990er-Jahre immer mehr Paare beobachtet, die entweder gar nicht anfingen zu brĂŒten oder aber die Brut sehr frĂŒh aufgaben.cite-ref-17[17] In den meisten FĂ€llen war dies auf Hubschrauber oder Gleitschirmflieger zurĂŒckzufĂŒhren, welche wĂ€hrend der BebrĂŒtungsphase oder in den ersten Lebenswochen der Jungvögel, in denen sie noch nicht zur selbstĂ€ndigen Temperaturregulierung fĂ€hig sind, zu nahe an die Horste heranflogen und die Altvögel zum Abflug brachten. Oftmals kĂŒhlten dann bis zur RĂŒckkehr der Eltern die Eier aus und starben ab oder die bereits geschlĂŒpften Jungvögel erfroren. Da seit Ende der 1990er-Jahre das Artenhilfsprogramm Steinadler fast alle bayerischen Brutpaare in einem Monitoringsystem genau beobachtet, kann es solche anthropogenen Störungen seither meist verhindern. 2016 gab es in Bayern wieder 50 Brutpaare.cite-ref-18[18]

Literatur

‱ Wolfgang Fischer: Stein-, Kaffern- und Keilschwanzadler. 3. Auflage. Westarp-Wissenschaft, Magdeburg 2006, ISBN 3-89432-223-3 (Die Neue Brehm-BĂŒcherei. Bd. 500).
‱ Dick Forsman: The Raptors of Europe and the Middle East. Poyser, London 1999, ISBN 0-85661-098-4.
‱ Urs N. Glutz von Blotzheim, Kurt M. Bauer, E. Bezzel: Falconiformes. 2. Auflage. Aula, Wiesbaden 1989, ISBN 3-89104-460-7 (Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 4).
‱ H. Haller: Der Steinadler (Aquila chrysaetos) als Brutvogel im schweizerischen Alpenvorland: Ausbreitungstendenzen und ihre populationsökologischen Grundlagen. In: Der Ornithologische Beobachter. Bd. 91, 1994, S. 237–254.
‱ H. Haller: Der Steinadler in GraubĂŒnden. In: Der Ornithologische Beobachter. Beiheft 9, 1996, ISBN 3-9521064-0-2.
‱ Jeff Watson: The Golden Eagle. Poyser, London 1997, ISBN 0-85661-099-2.

Weblinks

Commons

: Aquila chrysaetos

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Steinadler

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur von und ĂŒber Steinadler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Aquila chrysaetos in der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten der IUCN 2023.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2023. Abgerufen am 16. Juni 2023.
‱ Steinadler (Aquila chrysaetos) auf eBird.org
‱ Steinadler (Aquila chrysaetos) bei Avibase
‱ xeno-canto: Tonaufnahmen – Steinadler (Aquila chrysaetos)
‱ Golden Eagle (Aquila chrysaetos) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
‱ Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
‱ Federauswahl
‱ Steinadler-Schutzprojekt im AllgĂ€u

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ R. F. Porter, I. Willis, S. Christensen, B. P. Nielsen: Flight Identification of European Raptors. T. & A. D. Poyser London 1981: S. 45
cite-note-22. ↑ Dick Forsman: The Raptors of Europe and the Middle East. Poyser, London 1999, ISBN 0-85661-098-4: S. 391
cite-note-33. ↑ BirdWatch Ireland: Golden Eagle. Abgerufen am 22. August 2018 (amerikanisches Englisch).
cite-note-44. ↑ Golden eagle attacks deer in rare camera trap footage. ZSL Conservation, 26. September 2013, abgerufen am 2. August 2014.
cite-note-55. ↑ David Rerat: Adler vs. GĂ€mse - damit hat die Gams nicht gerechn auf YouTube, 24. November 2015, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 1:44 min).
cite-note-66. ↑ http://www.redbull.com/at/de/adventure/stories/1331761889855/wie-brueder-im-wind-natur-und-fiktion-verschmelzen
cite-note-77. ↑ H. Haller: Der Steinadler in GraubĂŒnden. In: Der Ornithologische Beobachter. Beiheft 9, 1996, S. 89
cite-note-88. ↑ H. Haller: Der Steinadler (Aquila chrysaetos) als Brutvogel im schweizerischen Alpenvorland. Ausbreitungstendenzen und ihre populationsökologischen Grundlagen. In: Der Ornithologische Beobachter. Bd. 91, 1994, S. 243
cite-note-99. ↑ Watson 1997, S. 320
cite-note-1010. ↑ M. W. Collopy, T. C. Edwards: Territory size, activity budget, and role of undulating flight in nesting Golden Eagles. In: Journal of Field Ornithology. 60, S. 43–51, zitiert in: J. Watson: The Golden Eagle. Poyser, London 1997, S. 92, dort fehlerhafte Quellenangaben korrigiert
cite-note-1111. ↑ H. Haller: Der Steinadler in GraubĂŒnden. In: Der Ornithologische Beobachter. Beiheft 9, 1996, S. 31
cite-note-1212. ↑ Watson 1997, S. 331
cite-note-1313. ↑ Tierpark Sababurg | Mitten im Reinhardswald: Steinadler (Aquila chrysaĂ«tos). In: www.tierpark-sababurg.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 12. August 2016; abgerufen am 12. August 2016.
cite-note-1414. ↑ Glutz von Blotzheim u. a. 1989, S. 651
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